Frühe Geschichte Alt Bennebeks

"Einzelfunde von geschliffenen Feuersteinen, -meißeln und -dolchen belegen die Besiedelung auf dem Alt Bennebeker Sander in der jüngeren Steinzeit um 4300 bis 2300 v. Chr. . 1938 und 1967 wurden nordwestlich der Schusterkate im Moor bei der Vertiefung des Bachbettes bzw. bei Anlage von Entwässerungsgräben zwei Mal vier einteilige Scheibenräder mit fester Nabe gefunden. ... Über das Alter gibt es unterschiedliche Ergebnisse: 390 n. Chr. oder 560 n. Chr. . Die Funde befinden sich im Landesarchiv auf Schloss Gottorf in Schleswig. Möglicherweise handelt es sich um Wagen- oder Radopfer, die dem Moor anvertraut wurden." (Quelle: Ur- und Frühzeitgeschichte - Dorfchronik 2015)

1340: Villa Binnebeke - Ort  zwischen der Bäche

Karte Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf aus dem Jahr 1650.
Karte Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf aus dem Jahr 1650.

1340 soll bereits der Bischof von Schleswig alten Dokumenten zufolge eine Hufe am Ort „Villa Bennebeke“ besessen haben – eine bäuerliche Hofstelle mit etwa 30 Morgen Land. Bennebek – der Ort zwischen (binnen) den Bächen (Beken)  - liegt wohl zu Beginn der Besiedlung noch nah am südöstlichen Rand der großflächigen Eider-Treene-Sorgeniederung der Stapelholmer Landschaft, direkt am Übergang zum etwas höher gelegenen Land des Geestrückens mit kargem Sandboden und Heideland.

 Durch das Wasser der umliegenden Flüsse Eider, Treene und Sorge, sowie durch jahreszeitlich bedingte Regenphasen und Schneemelzen, war die Niederung  einst ein riesiges Feuchtgebiet aus Sümpfen, Mooren, Flussläufen und Flachseen mit Lage unterhalb des Meeresspiegels. Da kaum effektiver Küstenschutz vorhanden war, drückte die Nordsee zusätzlich im Wechsel der Gezeiten gewaltige Wassermassen weit zurück ins Landesinnere – bei Sturmflut mit teils verheerenden Folgen.

 

Mißernten, Fluten und Seuchen - Harte Zeiten für die ersten Siedler

Bereits die legendäre Marcellusflut (die "grote Mandränke"; übersetzt: großes Menschenertrinken) im Januar des Jahres 1362  - bei der unter anderen das sagenumwobene Rungholt zerstört wurde - traf vermutlich auch landeinwärts die frühen Siedler Alt Bennebeks hart.

Hinzu kam der Umstand, dass die ersten Menschen am Übergang von einer klimatischen Warmzeit hin zur „kleinen Eiszeit“ den Ort besiedelten. Die Temperaturen sanken deutlich unter das heute übliche Niveau mit gravierenden Auswirkungen auf das Wettergeschehen und die Landwirtschaft. Naturkatastrophen und widrige Wetterbedingungen, Mißernten, Hungersnöte und die grassierende Seuchen, wie die Pest bescherten den ersten Generationen der Bennebeker schwere Zeiten.

Einiges spricht dafür, dass zu dieser Zeit einige der niederungsnahen Hofstellen aufgegeben wurden und man später etwas weiter landeinwärts auf höherer Lage neu ansiedelte. Noch heute gibt es in Alt Bennebek den Ortsteil "Old Dörp", der am ehesten in Nähe der frühen Siedlungsstellen liegen dürfte.

 

"Im Landesarchiv findet man folgende Beschreibung zu Alt (Groß) Bennebek: ´Dorf an einer kleinen Aue, zweieinviertel Meilen von Schleswig, Amt Gottorf Kroppharde, Kirchspiel Kropp enthält 10 Halbhufen, 2 Fünfsechszehntel, 11 Viertelhufen, 2 Achtelhufen und 15 Katen, von denen 3 auf der so genannten Umleitung liegen. ....

.... Im 14. Jahrhundert leben nur wenige Menschen in unserem Dorf. Ihr tägliches Brot verdienten sie sich beim roden der Wälder und der Urbarmachung der kargen Flächen. Unsere Heimat war von dieser Zeit für einige Jahrhunderte ein sehr umkämpftes Gebiet. Deutsche und Dänen wechselten sich in der Herrschaft ab und beuteten die Bevölkerung kräftig aus. Der nahe Ochsenweg brachte nicht nur friedliebende Bürger ins Land. Die fremden Heere nutzen den Weg, um den jeweiligen Feind zurückzuschlagen. Sie zogen mordend und plündernd über die Dörfer und brachten oft auch ... die Pest ins Land." (Quelle: Mittelalter bis frühe Neuzeit - Dorfchronik 2015)


Ab 1600 - Aufbruch und Rückschläge

Stapelholm um 1630, vergrößerter Kartenauszug der holländischen Karte.
Stapelholm um 1630, vergrößerter Kartenauszug der holländischen Karte.

Anfang des 17. Jahrhunderts grassierte wieder einmal die Pest im Land, die 1606 auch die Region Stapelholm einholte und viele Todesopfer forderte. Dem nicht genug brach infolge des Reformationsstreits wenig später im Jahr 1618 der Dreißigjährige Krieg aus und überzog vor allem Mitteleuropa mit Kriegsschrecken und Not.

Die Trockenlegungsmaßnahmen in der Stapelholmer Niederung, welche bereits in 1573 mit Eindeichung und Umleitung der Treene ihren Anfang nahmen, wurden den Kriegwirren zum Trotz auf Befehl des Landesfürsten, Herzog Friedrich III. im Jahre 1623 fortgesetzt. Ein aus damaliger Sicht schier gigantisches Vorhaben mit umfassenden Baumaßnahmen zur Entwässerung der Eider-Treene-Sorge-Niederung. Ein rund 40 Quadratkilometer großes Gebiet wurde u.a. mit Hilfe holländischer Wasserbauer und mittels Eindeichung, Errichtung von Schleusen, Entwässerungskanälen und Umleitung von ganzen Flussläufen für die geplante Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung trocken gelegt.

 

In der Zeit 1628-1631 wurde der Umleitungsdeich, wie wir ihn heute kennen fertiggestellt. Der alte Lauf der unteren Bennebek zum Meggersee wurde dadurch gekappt und stattdessen wurden der obere und untere Bachlauf vereint am Deich entlang geleitet. Noch heute ist der alte Lauf der Bennebek als verwachsener Graben entlang einer Baumreihe auf Höhe des Hofes Bruhn/Gehrt zu erkennen. Weiter flussabwärts schnitt der Umleitungsdeich ebenso den Zufluss der Tetenhusener (Au) Sorge  vom Meggersee ab, welche nun ebenfalls im gemeinsamen Kanalbett mit den Beken südwestwärts Richtung Eider entlang floss. Bei Meggerholm wurde eine Schleuse errichtet, als erstes Sperrwerk zur Regulierung der Wasserpegel. Der Deich verbandt dazu erstmals als Weg die Orte Meggerdorf und Erfde mit Alt Bennebek.

Darstellung einer Szene von marodierenden Söldnertruppen im Dreißigjährigen Krieg.
Darstellung einer Szene von marodierenden Söldnertruppen im Dreißigjährigen Krieg.

Krieg und die zweite große Flut

In der Nacht vom 11. auf den 12.Oktober 1634 brach erneut eine gewaltige Sturmflut über die Schleswig-Holsteinische Küste ein, die als Burchardiflut und weitere „grote Mandränke“ mit mindestens 8000 Todesopfern in die Geschichte einging. Sie traf nicht nur die Menschen an der Westküste hart, sondern richtete, wie bereits 1362, auch im Landesinneren großen Schaden an.

Der Zeitpunkt war zudem ungünstig, war doch das Land wegen des 30jährigen Krieges wirtschaftlich stark geschwächt und infolgedessen der Küstenschutz vernachlässigt worden.

Dem nicht genug, wurden auf Regierungsbefehl im Jahre 1643 aus Angst vor heranrückenden schwedischen Truppen die Schleusen- bzw. Deichanlagen zur Trockenlegung Stapelholms geöffnet und absichtlich die gesamte Region überflutet, um die Feinde aufzuhalten. Vergeblich. Es brauchte danach Generationen um die Kriegs-, sowie die Folgeschäden dieser Verzweiflungstat zu überwinden.

 

In der Dorfchronik 2015 ist zu lesen:

"Sein (Wallensteins) 80.000 Mann starkes Heer zog raubend und plündernd durchs Land und hinterließ total verarmte Bauern. ... 1648 nach Beendigung des 30jährigen Krieges waren die Bauern so arm, dass sie die Erlaubnis bekamen zu betteln!"